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Humor erschließt bittere Wahrheit

24.11.2003

Wieder war die Pfarrscheune in Langengrassau am Freitag Anziehungspunkt für viele Filmfreunde. Die Sitzplätze reichten kaum aus. Das Publikum hatte für den mit drei Oscars prämierten italienischen Film „Das Leben ist schön“ auch weite Wege nicht gescheut.

 

„Wir glauben, dass unser Konzept, hier in unseren schönen Räumen Menschen aller Konfessionen bei einem gemeinsamen Erlebnis unter ein Dach zu bekommen, aufgegangen ist“, waren sich die Initiatoren Pfarrer Frank Gehrmann und Hans Ulrich Dobler vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) einig. Gerade der November mit seinen Gedenktagen für die Verstorbenen sei eine Zeit zwischen Leben und Tod. So sei ihnen gerade dieser Film als passend erschienen.


Roberto Benigni, der das Drehbuch schrieb, Regie führte und die Hauptrolle des Guido spielt, hat in dieser Geschichte die furchtbare Zeit des Holocausts in Italien dargestellt: Mit seinem Humor versucht der jüdische Filmheld Guido zunächst, die Judenverfolgung zu ignorieren – selbst dann noch als er und sein kleiner Sohn Giosué ins Konzentrationslager verfrachtet werden. Seine nichtjüdische Frau Dora geht freiwillig und um die tödliche Gefahr wissend mit, nur um bei ihrer Familie zu sein.


Spiel mit ernstem Hintergrund
Die Zustände im KZ überzeichnet Benigni teilweise grotesk, was ihm anfänglich die Kritik einbrachte, mit diesem Thema leichtfertig umzugehen. Doch es ist gerade die Mühe, die manchmal hysterische Fröhlichkeit, mit der Guido seinen Sohn von all dem Grauen abzuschirmen versucht, die berührt. Guido erfindet ein Spiel: Wer die meisten Punkte sammelt, bekommt am Ende eine echten Panzer geschenkt. Dieses «Spiel» hilft dem Kleinen, das KZ zu überleben. Im Gegensatz zu seinem Vater, der einen Tag vor dem Einmarsch der Amerikaner erschossen wird, als er versuchte, seine Frau zu finden. Der Sohn geht schließlich als Sieger aus dem „Spiel“ hervor, darf mit einem echten amerikanischen Panzer fahren und findet zu guter Letzt seine Mutter wieder.


In der anschließenden Diskussionsrunde versuchten die Kinobesucher, sich mit dem Film und mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. Sie hatten offensichtlich durch «Das Leben ist schön» einen Zugang zu diesem Thema gefunden, das vordergründig spaßig dargestellt wurde, ohne den tragischen Ernst zu verschütten. Der Film habe das Leben und den Tod nicht brutal gezeigt. Die schlimmen Szenen habe man sich hinzudenken können, denn sie liefen im Hintergrund ab, so der Eindruck einiger Zuschauer. Bis zum Schluss hätten sie auf ein gutes Ende gehofft.


Geschichte erlebbar gemacht
Eine Mutti, die ihren zwölfjährigen Sohn begleitet hatte, äußerte sich positiv überrascht, dass auch jüngere Kinder so einfühlsam an dieses schwere Thema heran geführt werden konnten. Der Film hätte diese Zeit erlebbarer gemacht.


Diese Resonanz hat die Veranstalter ermutigt, sich weiterhin anspruchsvollen Filmen zu widmen. Als nächster Kirchen-Kinotag ist der 24. Januar ins Auge gefasst worden. Dann soll der Film „Jenseits der Stille“ wieder Filmfreunde vor der Leinwand vereinen.

 

(gd)

 

Bild zur Meldung: Pfarrer Gehrmann