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Falkenbergs Dorfkirche birgt alte Zeugnisse

15.10.2004

Ein Kleinod im Dorf ist die Kirche. Das ist in diesen Tagen wieder spürbar. Ein reges Kommen und Gehen herrschte im Gotteshaus. Der Grund waren Restaurierungsarbeiten an Grabplatten aus dem Barock, also von Zeugnissen, die über 200 Jahre älter sind als die Kirche. Dabei handelt es sich um das sagenumwobene Türkengrab.

 

«Der Epitaph ist sehr wertvoll, wurde wahrscheinlich aus Elbsandstein gefertigt. Jede dieser beiden Grabplatten ist rund 400 Kilo schwer», so der Potsdamer Restaurator Tom Zimmermann.


In der vergangenen Woche arbeitete er die Grabplatten aus den Jahren 1645 und 1700, die bisher im Freien standen, durch Reinigung und Strukturfestigung auf. Mit einem Flaschenzug wurden zu Wochenbeginn die schweren Steinplatten in die Höhe gehievt und im Kirchenvorraum verankert. Zimmermann unterstützen dabei die Steinmetzmeister Lutz Schummel und Kostja Dinges. In den nächsten Tagen werden die Wände noch verschönt, damit die Befestigungsspuren nicht mehr zu sehen sind.


In einer «Sachsenkarte» aus dem Jahre 1253 war die alte Kirche in der Wüstung Valkenberg eingetragen. Die Kirche verfiel im Laufe der Jahrhunderte immer wieder. Das einstige Klosterdorf wechselte oft die Besitzer. Ab 1615 gehörte das ritterliche Lehn dem Obersten Peter Friedrich von Barettig, der wegen seiner Ungarn-Feldzüge der «Türk» hieß, auf dessen Namen das «Türkengrab» zurückgeht. Es steht unter Denkmalschutz. Das Grabmal stach bisher auf grund seiner Bedeutung und seines Aussehens auf dem kleinen Kirchhof hervor.


Eine Grabplatte trägt die Aufschrift, dass «daselbst Peter Friedrich von Barettig, genannt Türk, geboren am 25. Mai 1645, gestorben am 13. August 1701 beigesetzt ist». Die jetzt restaurierten Platten können nun wieder in alter Schönheit in Augenschein genommen werden.


Interessant ist, dass das Gotteshaus im Vergleich zu diesen Zeugnissen relativ jungen Baudatums ist. 1843 kaufte die Familie Küster das Gut Falkenberg für 34 000 Taler. Weil das Dorf nur einen Friedhof, aber keine Kirche mehr hatte, planten die Gutsherren einen Neubau. Am 7. Juli 1914, wenige Wochen vor Kriegsbeginn, wurde eine von Max Küster gestiftete Kapelle eingeweiht. Der Keller sollte als Familiengruft dienen.


Bronzeglocken eingeschmolzen
Bereits kurz nach der Einweihung mussten die beiden Bronzeglocken abgegeben werden. Sie wurden zum Kriegskanonenbau eingeschmolzen. Erst 1952 erhielt die Kirche zwei, in Apolda gegossene, Klangstahlglocken und 1975 ein elektrisches Läutewerk. Kurz vor der Wende 1989 wurde eine dringend notwendige Dachreparatur durchgeführt, die Fensterbögen erhielten Kupferbleche.

 

Bereits Anfang der 90er Jahre konnte durch finanzielle Unterstützung der Denkmalpflege des Landes Brandenburg und des Kirchenbauamtes das Innere des Gebäudes renoviert werden. Dabei wurden Deckenmalereien von 1914 freigelegt und erneuert sowie das Gestühl repariert und eine elektrische Bankheizung installiert. Vandalismus fielen später Altarfenster zum Opfer. Der Schaden betrug rund 10 000 Mark und wurde durch Kirchenmittel aufgebracht.


Auch Teich wurde saniert
Insgesamt flossen bis 1995 113 500 Mark in die Kirchenrestauration. Die Kirche selbst kam für knapp 55 000 Mark auf, das Land für rund 59 000 Mark. Auch die Falkenberger Einwohner spendeten 3500 Mark für ihr Gotteshaus. Die aufwendigen Restaurierungsarbeiten trugen dazu bei, ein beachtenswertes Zeugnis der Architektur des beginnenden 20. Jahrhunderts zu erhalten.

 

«In diesem Zusammenhang ist für uns selbstverständlich auch die Sanierung des Kirchteiches von Bedeutung, die als Ausgleichsmaßnahme zum Windpark erfolgte», so Ortsbürgermeister Steffen Beier.

 

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