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Reformationstag 2014

Lausitzer Rundschau vom  1. November 2014

 

Auf Zeitreise mit Martin Luther

 

Regionalgottesdienst zum Reformationstag
mit historischen Szenen in Golßen

 

Mit einem Regionalgottesdienst haben die Pfarrgemeinden Luckau, Luckau-Land, Golßen und Langengrassau den gestrigen Reformationstag begangen. Danach brachten Mitglieder der Kirchengemeinden und der Theaterloge Luckau den Reformator und seine wichtigsten Weggefährten in kurzen historischen Szenen nahe.

 

 

Auf dem Golßener

Marktplatz verfolgten Gottesdienstbesucher,

wie wohl einst im Hause

Luther diskutiert wurde.

Foto: Bigit Keilbach

In der Golßener Stadtkirche feierten die Christen der Region das Reformationsfest, die "Zurückformung auf die Ursprünge" des christlichen Glaubens und Handelns, wie der Golßener Pfarrer Martin Nikolitsch anfangs ins Gedächtnis rief.

Dass jeder für seinen Glauben und damit auch für sein Leben selbst verantwortlich ist, rückte der Lübbenauer Pfarrer im Ruhestand, Joachim Liedtke, in den Mittelpunkt. So hätten sich die Christen in der ehemaligen DDR auf die Reformatoren und eben jene Ursprünge besonnen, die eigene Glaubenshaltung hinterfragt und Möglichkeiten für ihre Arbeit im nicht christlichen Umfeld gefunden. "Denn jede Kirche ist verantwortlich, was sie daraus macht", so Joachim Liedtke.

Kirchen in der DDR wirkten unter anderem in Einrichtungen für behinderte Menschen, in Krankenhäusern. Auch die Friedensbewegung habe sich in kirchlichen Räumen entwickelt.

Ein Kind übernehme Glaubenssätze ungefragt. Ein Erwachsener müsse sich selbst Gedanken machen. Es sei immer schwierig, falsche Glaubenssätze zu erkennen. "Aber ich darf täglich herausfinden, was gut für mich und meinen Nächsten ist." Dazu zähle auch, Flüchtlingen Lebenshilfe zu geben, so Joachim Liedtke.

Nach dem festlichen Gottesdienst, den der Gießmannsdorfer Bläserchor und die Kirchenchöre aus Luckau, Cahnsdorf und Golßen musikalisch untermalten, fand der Rückblick auf die Zeit der Reformation in den Straßen der Stadt seine Fortsetzung. Als Martin Luther schritt Pfarrer Volker Strauch (Luckau-Land) gemeinsam mit Martin Nikolitsch als Philipp Melanchthon, Joachim Liedtke als Johannes Bugenhagen und Pfarrerin Kerstin Strauch (Luckau) als Katharina von Bora durch Golßen.

Vor der Kirche ließen sie die Konfirmanden der evangelischen Partnergemeinde aus Koblenz laut über Dichtung und Wahrheit der Luther-Eiche nachdenken. Auf dem Markt diskutierten die Gelehrten mit den Studenten in Luthers Haus, wie die mit der Reformation angestrebte "Freiheit des Christenmenschen" den Menschen in den Dörfern auch verständlich nahe gebracht werden könnte.

Und weil alles Reden keine Änderung bewirkt, wie Luthers Frau Katharina ihnen deutlich vor Augen führte, schauten sich die drei Reformatoren in drei "historischen" Kirchengemeinden um. Bei ihrer Visitation trafen sie in Uckro auf Bauern, deren Pfarrer und Küster mehr mit dem eigenen Lebensunterhalt als mit der Lehre des Glaubens beschäftigt waren. In Schlabendorf begegneten ihnen bereits gut unterrichtete Christenlehre-Kinder und in Golßen wussten auch die Konfirmanden aus Koblenz bestens über die zehn Gebote Bescheid.

Seit 2010 findet der Reformationsgottesdienst diese szenische Ergänzung, um die Bedeutung der Reformation anschaulich nahe zu bringen. "So wird Geschichte erlebbar gemacht. Ich war schon sehr gespannt darauf, wie es nach der Hochzeit von Luther mit Katharina weitergeht", sagte die Zützenerin Sabine Seehaus.

Für die Konfirmanden aus der Koblenzer Partnergemeinde ist es ein Fest, "das wir aus unserer katholisch geprägten Region nicht kennen", wie Janik Käfer erklärte. "Man merkt sich das auch besser, wenn man nicht stur an einem Platz sitzt, sondern sogar mitmachen darf", ergänzte Lukas Kramer.

Der Luckauerin Ingrid Linick gefällt besonders, dass der Reformationstag die Christen aus der Region zusammenbringt: "So wird das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt." Zudem sei es gut für jene Mitglieder der Golßener Gemeinde, "die nicht mehr nach Luckau kommen können. So können auch sie das Fest miterleben", nannte Irmgard Neuber einen weiteren Gesichtspunkt.