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Kirche Goßmar

GoßmarDer Kirchenbau entstand in mehreren Bauphasen. Sein ältester Teil ist das Langhaus, das Anfang des 15. Jahrhunderts in Feldstein errichtet wurde. In diese Zeit gehört das westliche gestufte Backsteinportal mit den eisernen Beschlägen am Türblatt. Einen Eindruck der zugehörigen Lichtöffnungen vermittelt ein wieder freigelegtes Fenster mit Backsteingewände an der Südwand. Im Traufbereich darüber haben sich Reste spätgotischen Putzes mit geometrischen Putzritzungen erhalten. An der Nordwand finden sich zudem noch Doppelfugenritzungen im mittelalterlichen Verputz.

 

In die südliche Außenwand neben dem Gemeindeportal hat man einen Grabstein mit Rokokodekor für Johann Christian Adam (†1776) und seine Frau (†1767) eingelassen.

 

Vermutlich nachdem man den Westturm aus Feldstein mit seinen schmalen Schallöffnungen errichtet hatte, erweiterte man in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts den Feldsteinsaal nach Osten. Der Chor erhielt dabei einen dreiseitigen Abschluß. Außerdem baute man über dem Sockel aus Feldstein in Backstein weiter und setzte Strebepfeiler an, die vermutlich eine hölzerne Tonne ermöglichen sollten. Über den bauzeitlichen Fenstern ist an der Traufe des Chores ein schöner geputzter Fries mit geritztem Maßwerkdekor zu sehen.
 

Vor das Chorportal aus dieser Zeit setzte man später eine steinerne Vorhalle, deren geschweifter Renaissancegiebel inzwischen verloren ist. Schließlich erweiterte man im 18. Jahrhundert alle Fenster des Kirchenschiffs. Vermutlich zeitgleich stellte man im Innenraum Emporen auf gedrehte Holzsäulen, die den Kirchenraum jetzt im Westen und Süden umschließen.

 

Mit Ausnahme der Westwand haben sich in allen Wandbereichen mittelalterliche Wandmalereien erhalten, die zum großen Teil erst im Zuge der Innenraumsanierung 2017/18 freigelegt wurden. Dabei konnten die Restauratoren insgesamt fünf bis sechs verschiedene Raumausmalungen nachweisen.

 

Die früheste Gruppe der Wandmalereien gehört zur Ausgestaltung des Kirchenraumes unmittelbar nach seiner Erweiterung und dürfte in der Zeit um 1480 entstanden sein.

 

Betritt man das ehemalige Gemeinde- oder Laienportal im Westen, fällt der Blick auf einen überlebensgroßen Christophorus an der gegenüberliegenden Nordwand. Er gehört zu einem wandübergreifend angelegten Bildprogramm auf der Nord- und Südwand sowie im Chor.

 

Oberhalb des Gemeindeportals befindet sich die Darstellung der heiligen Katharina und der heiligen Barbara. Daneben, in kleineren Malereifeldern angelegt und heute knapp über dem Emporenboden, gibt es je eine Szene der Verkündigung und der Geburt Jesu.

 

An der Nordostwand des Chores sind Reste eines Bildprogramms zu erkennen, das sich auf die ehemalige Sakramentsnische bezieht: links die Darstellung des Schmerzensmannes mit den Marterwerkzeugen und rechts Christus an der Geißelsäule. In die Zeit der ersten Raumgestaltung um 1480 gehört auch das Weihekreuz auf der Nordwand. Darüber ist ein Detail der letzten, barocken Fassung zu sehen: eine Kartusche mit dem Spruch „Verbum Domini manet in æternum“ („Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit“).

 

In den oberen Wandbereichen des Chors sieht man zudem Schriftfelder aus Spätrenaissance oder Frühbarock (17./18. Jh.), die Bibelstellen zitieren. Außerdem gibt es an verschiedenen Stellen im Kirchenraum Befunde mit Ornamenten u. dgl., die sich bisher nicht eindeutig zuordnen lassen.

 

Blickt man vom Schiff aus nach Osten, kennzeichnen Mauerrücksprünge an der Süd- und Nordwand die Erweiterung der Kirche im späten 15. Jahrhundert. Spätestens danach dürfte über dem östlichen Teil des Kirchenraumes eine Holztonne entstanden sein, deren Spuren im Dachraum noch nachweisbar sind. Heute ist der Innenraum flach gedeckt.

 

Der Altar über der spätgotischer Mensa könnte zu Anfang des 17. Jahrhunderts entstanden sein. Ursprünglich handelte es sich wohl um einen Flügelaltar wie jenen im benachbarten Riedebeck, den man dann dem Zeitgeschmack entsprechend zum Kanzelaltar umgestaltete und die mittelalterlichen Schnitzfiguren weiterverwendete. Die Szene mit Anbetung der Könige ist mit jener in Riedebeck fast identisch. Beide Flügel wurden in Goßmar seitlich des Kanzelkorbs angebracht und zeigen wie im Nachbarort verschiedene Heilige und Apostel. Zwei Figuren des Mittelschreins stehen heute auf diesen Flügeln – eine Madonna und eine weibliche Heilige. Die dritte Figur – der Heilige Valentin – ist an der an der Südwand des Chorschlusses plaziert. Ihm gegenüber hängt ein barocker Kruzifixus.

 

Unterhalb von Valentin steht vermutlich der ehemalige evangelische Beichtstuhl mit den typischen vergitterten Aufsätzen. Die schlichte Taufe stammt aus dem Jahr 1881. In die südliche Kirchenwand sind Tafeln für die Gefallenen der Kriege 1870/71 und 1914-1918 eingelassen, die heute eine optische Einheit bilden.

 

Bei der Orgel handelt es sich wahrscheinlich um ein Instrument des Sonnewalder Orgelbauers Johann Christoph Schröther d. Ä. Sie wurde ursprünglich wohl für den weltlichen Gebrauch gebaut und könnte um 1775 entstanden sein. Einige Jahre später wurde sie in den Goßmarer Kirchenraum umgesetzt. Das Instrument ist in großen Teilen original erhalten, allerdings seit vielen Jahren unspielbar.

 

Sanierungs-/ Restaurierungsgeschichte

  • 2006-07: Sanierung von Dach und Fassaden incl. Konservierung der mittelalterlichen Außenputze
  • 2016-18: Vorbereitung und Umsetzung der Innenraumsanierung mit Freilegung div. Wandmalereien

 

Annegret Gehrmann (2020)

 

 

Quellen:
Georg Dehio: Handbuch der dt. Kunstdenkmäler, Brandenburg; bearbeitet von Gerhard Vinken, durchgesehen und erweitert von Barbara Rimpel; Deutscher Kunstverlag 2012
Jung/ Spatz: Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg, Berlin 1917, Band 5, Teil 1: Kreis Luckau
Akten der Kirchgemeinde
Text zu Goßmar in Mittelalterliche Wandmalerei in Brdbg., Bd. 1, Wernersche Verlagsanstalt und BLDAM 2010
Kunstgut-Datenbank der EKBO
Informationen der CBB-Restaurierung